Donnerstag, 6. Oktober 2016

Wanderausstellung 2016 oder warum es im Herbst keine gab

Die Altstadt von Quedlinburg
Leider gab es 2016 keine Herbst-Wanderausstellung der Ottonen. Seit 2010 sind wir jedes Jahr im Herbst gemeinsam gewandert. Dieses Jahr sollte es nicht sein. Dafür gab es mehrere Gründe. Der wichtigste davon war, das mehrere von uns im Oktober nach England zur Schlacht von Hastings fahren. Wir haben deswegen nur ein kleines Treffen in Quedlinburg (für die, die konnten) angesetzt, hauptsächlich um der Einladung von Thomas Spindler von der Capella Antiqua Bambergensis zu folgen, die mit dem Schauspieler Udo Schenk eine Veranstaltung/ ein Konzert in Quedlinburg hatten. Dazu später mehr.

Die Ottonen trafen sich also an einem Freitag-Abend in der Altstadt von Quedlinburg. Es war das erste Mal seit Wochen schlechtes Wetter in Mitteldeutschland. Doch schafften wir es noch im Trocknen auf dem Schlossberg mit herrlichen Blick auf die Altstadt essen zu gehen. Am nächsten Morgen begann der Regen. Natürlich kann man mit Mittelaltersachen auch wandern gehen, aber wir beschlossen, da wir unseren "Hofstaat" noch für den Konzertabend brauchten, einen Spaziergang durch die Altstadt von Quedlinburg zu machen. Da gibt es noch einiges zu entdecken, was wir bislang noch nicht besucht hatten und gingen auf ...







archäologische Funde haben das bestätigt.

Wir fanden eine #littlefreelibrary und die Buchbar

Nach der Altstadt gab es statt Wanderausstellung eine kleine Pilgerwanderung zur ottonischen Wipertikrypta. Die Kirche St. Wiperti gehörte zum Königshof der Ottonen, die seit 922 erwähnt und sicher als sogenannte "Osterpfalz" seit 936 bestanden hat. Allerdings ist nach den Ottonen und bis in heutige Zeit so viel in der Stadt verändert und gebaut worden, dass die Größe und Lokalisierung der ottonischen Gesamtanlage bis heute nicht sicher geklärt ist. Vermutet wird, dass die Krypta von St. Wiperti um 1000 unter der Herrschaft von Otto III. entstand. Wir danken dem Förderverein für die fachkundige Führung und dafür, dass wir einige Fotos machen durften:

Das Portal von St. Wiperti, später hinzugfügt, gehörte zur 3. ottonischen Kirche auf dem Münzenberg, heute nicht mehr existent

ottonische Krypta

Detail, Schmuckleiste

Weitere Informationen zum Herunterladen auf den Seiten des Fördervereins von St. Wiperti..

Das Konzert in der Stiftskirche

Thomas Spindler begrüßt die Ottonen in der Stiftskirche
Zusammen mit dem Sprecher Udo Schenk und den beiden Solisten Murat Coskun (Percussion) und Jule Bauer (Gesang, Nykelharfe) trat am 17. September 2016 um 18 Uhr in der Stiftskirche St. Servatii zu Quedlinburg die Capella Antiqua Bambergensis auf. Wir waren als Ottonen eingeladen (jedenfalls teilweise). Das Konzert haben wir in ottonischer Tracht besucht und setzten damit noch einen zusätzlichen Farbpunkt, so hoffen wir.
Alle (anwesenden) Ottonen waren begeistert vom Konzert
Wer jetzt nach der Ankündigung eines "Heinrich II."-Programms ottonische Musik erwartet hatte, wurde enttäuscht. Aber das habe ich bereits an anderer Stelle mit Thomas Spindler ausdiskutiert. Kritisch könnte auch angemerkt werden, dass das Programm stark spanienlastig war: Mit den Cantigas de Santa Maria, dem Llibre Vermell, der Hymne der Jakobspilger "Dum Pater Familias" und einem sephardischen Lied bestanden 5/8 des Programms aus Musik, die auf der iberischen Halbinsel entstand oder damit in ganz enger Beziehung stand. Was hat das mit Heinrich II. zu tun? Die Nykelharpa/harfe (aus Schweden stammend) scheint im Moment das Modeinstrument der alten Musik und der Mittelaltermusik zu sein. Ähnliche Instrumente sind aber auf dem "Musikportal" der Kathedrale von Santiago/C. (Pórtico de la Gloria 12. Jhd.) abgebildet. Damit sind wir dann wieder in Spanien. Verdammt!
Musikdarbietung und der Textvortrag von Udo bereiteten uns einen Abend (fast) ohne Fehl und Tadel. Jule Bauer entführte uns mit ihrer lyrischen Stimme in die fernen Zeiten, deren Kleidung wir gerade trugen. Allerdings sollte sie noch etwas an der Artikulation arbeiten. Texte waren schwer zu verstehen. Ein tolles Rahmentrommelsolo gab es von Murat Coskin im Duell mit Thomas Spindler, MA-Percussion. Bei aller keiner Nörgelei: Das war ein wundervoller Abend, für den wir uns bei der gesamten Capella Antiqua Bambergensis und den Solisten ganz herzlich bedanken.

Das Grubenhaus am Petersteich 

Grubenhaus am Petersteich
Auch am Sonntag wollten wir nicht wandern, sondern sind von Quedlinburg weiter durch das sächsische Kernland gefahren und trafen uns mit anderen Geschichtsdarstellern am Grubenhaus am Petersteich. "Im Mittelalter rückte die Region mit der Herrschaft Kaiser Lothars III. von Süpplingenburg, der im Dom zu Königslutter begraben ist, für kurze Zeit in das Zentrum des mittelalterlichen Reiches".Zwar ist der Teich lange schon nicht existent, aber dort ist eine Siedlung von ca. 80 (Gruben-)Häusern ausgegraben worden. Datiert ca. 900 bis 1200 nach Chr. Eine reine Nachmittagsveranstaltung hat auch ihren Reiz. Zwar ist alles mehr konzentriert und es ist deutlich weniger Zeit für Kontakte, aber manche langweiligen Momente entfallen auch. Uns war alles andere als langweilig. Um die Rekonstruktion eines Grubenhauses und eine Handvoll Geschichtsdarsteller zu betrachten und über das Früh-/Hochmittelalter ins Gespräch zu kommen, kamen viele, viele Menschen. Darüber haben sich nicht nur die Veranstalter am Grubenhaus gefreut.


Im Innern des Grubenhaus mit kleiner Textilausstellung
Aufbau des kleinen Darstellerlagers
zum Kochen blieb dennoch Zeit


Ausblick: Wir kommen gerne im nächsten Jahr zurück

Weitere Information zum Grubenhaus am Petersteich.




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